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Taipehs heiße Quellen

Wer hätte das gedacht, dass ein Deutscher namens Quely im Jahre 1893 die heißen Quellen von Beitou, nördlich von Taipeh gelegen, erforschte und ein erstes Badehaus errichten ließ. Aber schon 2 Jahre später, die Japaner haben die Insel Taiwan zwischenzeitlich besetzt, entwickelten sich eine japanisch geprägte Badekultur ähnlich den japanischen Onzen auf der gesamten Insel.

Von den über 100 Thermalquellen auf Taiwan, darunter eine Meerwasserthermalquelle wie diese nur in Italien und in Japan vorkommt, bieten die heißen Quellen von Taipeh dem Besucher eine große Vielzahl exzellenter Wellness-Oasen. Das Angebotsspektrum reicht von einfachen, teils kolonialen Badehäusern wie das Longnaitang in Beitou bis zu luxuriösen 5-Sterne Spas, wie das erst im Herbst 2007 eröffnete Maple Garden Landis Resort, Beitou.

In unmittelbarer Umgebung von Taipeh kann der Besucher in 18 Thermalquellen baden, die höchste Konzentration auf der Insel. Die Taiwanesen verdanken diesen Reichtum einer Laune der Natur mit der besonderen Lage ihrer Insel. Taiwan liegt geologisch gesehen, an den Grenzen tektonisch aktiver Platten. Die philippinische Ozeanplatte im Osten schiebt sich unter die eurasische Kontinental-platte im Westen, der Geologe spricht von Subduktion, wobei das Gestein in einer Tiefe bis zu 100 km aufgeschmolzen wird. Teile des aufgeschmolzenen Materials gelangt durch Vulkanismus an die Oberfläche, heiße Dampfblasen kondensieren und steigen als heißes Quellwasser an die Oberfläche.

Regen prasselt nieder als der Airbus der China Airlines am frühen Morgen auf dem CKS-Airport bei Taipeh aufsetzt. Knapp dreizehneinhalb Stunden liegen hinter mir als ich den Flieger in Frankfurt bestieg. Die Annehmlichkeiten und den Komfort der Businessklasse sorgten für einen geruhsamen Schlaf. Jetzt reihe ich mich in die kurze Passagierschlange vor dem Einreiseschalter ein. Der Beamte stempelt wortlos eine Aufenthaltserlaubnis von 30 Tagen in meinen Reisepass und winkt mich durch. Mein Fahrer wartet bereits in der Ankunftshalle. Mit seinem radebrechenden englisch macht er mir klar, dass ich draußen warten solle bis er mit dem Wagen käme. Zeit bleibt somit genug um am Schalter der Wechselstube mich mit neuen Taiwan Dollars einzudecken.

Ich mache es mir auf der Rückbank bequem und mein Fahrer startet sein Navigationsgerät mit dessen Hilfe er sich auf direktem Weg nach Wulai aufmacht. Jetzt in den frühen Morgenstunden schiebt sich der Berufsverkehr langsam Richtung Taipeh. Wir schwimmen sozusagen im Strom bis der Fahrer den Highway verlässt und die Straße sich nun durch das enge Tal des Ton Ho River windet. An den steilen Bergflanken spiegelt sich dunkel die sub-tropische Flora. Der Regen hat nachgelassen als wir nach ungefähr 45 Minuten Wulai erreichen. Wulai ist das Land der Atayal – das Wort bedeutet soviel wie „kochendes Wasser“. Die Atayal bilden die bedeutendste ethnische Gruppe von ca. 50.000 Menschen, insgesamt gibt es rund 260.000 taiwanesische Ureinwohner. Ein anthropo-logisches Museum in Wulai führt den Besucher in das Leben der Atayal ein.

Jetzt von Mitte Februar bis in den April ist die Sakura-Blüte von außergewöhnlicher Schönheit. Ihr betörender Duft stimmt die Menschen in ausgelassene Fröhlichkeit. Die Kirschblüte begleitet den Frühling wie er Einzug hält ins Tal der Atayal.

Ein rosarot leuchtender Strauß im Eingangsbereich des Resorts stimmt mich auf herrliche Tage ein. Ich verabschiede mich von meinem Fahrer und lasse die Welt der Atayal erst einmal zurück.

Das Wulai Pause Landis Resort ist ein besonderes Haus. Beim Betreten des Anwesens durchsteige ich eine kunstvoll gestaltete Holzwand, die das Ressort von der Außenwelt abschirmt. Über Holzstege hinweg betrete ich die minimalistisch ausgestaltete Lobby, die mit altjapanischen Sitzgräben ausgestattet ist, von denen aus man eine großartige Aussicht auf die wunderbare umgebende Landschaft hat.

Junge Menschen aus Taipeh buchen an der Rezeption ihr hot-spring Bad in einem der 37 privaten Pools. Die Pools im Basement des Ressorts gelegen, sind gemauert aus dunkelgrauem Andesit. Neben diesen privaten Pools gibt es noch sechs weitere öffentliche Pools, jeder mit einem eigenen Thema ausgestaltet, so dass auch bei mehrmaligen Besuchen ein besonderes Ambiente dem Spaliebhaber geboten wird.

Das Thermalwasser von ursprünglich ca. 80 Grad ist ein farb- und geruchloser Kohlensäuerling. Es liegt im Bereich des Fabelwesens, dass ein Bad in diesem Wasser die Menschen wieder um Jahre jünger entsteigen. Allerdings werden diesem Wasser hautverjüngende Eigenschaften nachgesagt und das Wasser ist bei den Taiwanesen berühmt als Quelle der Schönheit. Medizinisch bedeutend ist das Thermalwasser bei Behandlungen von verschiedener Hautkrankheiten z.B. der Schuppenflechte.

Meine Suite auf der ersten Etage überrascht mit separatem Spa, eigenem Pool mit Thermalwasserzulauf und ein Ruheplatz mit 2 bequemen Liegen. Wie die Lobby ist auch die Suite minimalistisch ausgestaltet, bietet dem Ruhesuchenden aber gleichzeitig größtmöglichsten Komfort eines 5-Sterne Hauses. Für den Kontakt zur Außenwelt sorgen Telefon-, Fax- und Breitband-Internetanschluß. Ich kann es kaum erwarten das Wasser einlaufen zu lassen und in den Pool zu steigen. Der kühle Regen vom frühen Morgen ist vergessen und ich spüre wie das knapp 40 Grad heiße Wasser meinen Körper wärmt. Ich schaue hinüber auf das Tal des Nanshi Creek und beschließe, am Nachmittag die nähere Umgebung zu entdecken.

Wulai ist ideal gelegen für Wanderungen in der näheren Umgebung. Verliebte Paare entscheiden sich für den Lovers Walk, andere für einen längeren Trail von 4 km bis zu 6 km Länge. Die Trails sind gut und zweisprachig ausgeschildert. Mit der Kabinenbahn schwebe ich über dem berühmtesten Wasserfall von Taiwan, der sich auf über 50 m ins Tal hinunter stürzt – die Aussicht ist phantastisch. Der Regen setzt wieder ein und ich kehre zurück ins Landis Resort. Müdigkeit macht sich in meinem Körper breit und ich gönne meinem Körper seine verdiente Ruhepause.

Als die Nationalchinesen 1949 vor den Mao-Truppen nach Taiwan flohen, hat sich die damalige Elite einschließlich ihrer Küchenmeister den Truppen angeschlossen und sich auf der Insel niedergelassen. So ist es kein Wunder, dass Taiwan’s Küche von Gourmets in aller Welt geschätzt wird. Eine der Berühmtheiten ist die Hangshow Küche und ich schwärme noch heute von „Sauteed Shrimps with Long-Ching Tee Leaves“ einer bemerkenswerter Vorspeise, die durch einen starken Kontrast weißgedünsteter Shrimps mit dunkelgrünen Teeblätter besticht. Für alle Liebhaber dieser Creation ist das Tien Hsiang Lo Restaurant im Landis Taipeh ein Tipp hinter vorgehaltener Serviette.

Der Küchenmeister und seine Mannschaft verwöhnt mich mit einem 8 Gänge Dinner. Ich begeistere mich an der aufgeschäumten Lobstersuppe mit Lachskarree und an dem herrlichen Filet Mignon begleitet von wohlriechendem, blumigen Oolong-Tee. In meinem Körper lassen die Essenzen des Dinners den GI-(Energie)Fluss ansteigen. Ein Wohlfühlen verdrängt den Jetlag, es ist als ob ich schon Tage hier verbringe

Für mich heißt es nun Abschied von Wulai zu nehmen und ich mache mich auf den Weg, den berühmten Badeort Beitou zu entdecken. Wir erreichen Taipeh am Nachmittag und mein Taxifahrer schaut auf die Adresse des Maple Garden Landis Resort und nickt zustimmend. Doch in Beitou angekommen, windet sich das Taxi durch enge und kurvige Sträßchen hinauf in die oberen Stadtteile von Beitou ohne unser Ziel zu erreichen. Zweimal schon hat sich der Fahrer bei Passanten erkunden müssen und plötzlich tut sich eine Einfahrt zum Resort auf – ich bin angekommen.

Beitou zählt zu den berühmten Hot-spring Orte auf Taiwan. Die Japaner haben eine gut ausgebaute Thermalwasserlandschaft hier am Rande des Yang-minshan Nationalpark mit Badehäusern und Hotels erbaut, die in den 90-iger Jahren revitalisiert worden ist. Eines der neuesten Hotels in Beitou ist das Maple Garden Landis Resort. Das Resort verbindet japanische- und zen-architektonische Elemente auf minimalistische Weise. Teakholz, Bambus, Travertin und Granit vereinen sich zu einer kunstreichen und friedvollen Sympiose, die mich beinahe unmerklich umhüllt.

Vier Villen – nach den Jahreszeiten bezeichnet – bieten dem Gast ein großzügiges Wohnambiente von ganz außergewöhnlichem Komfort. Ein Privatpool mit Thermalwasserzulauf lädt ein, die Welt um sich herum vergessen zu lassen. Das weißliche und sehr sulfatreiche Thermalwasser ist 60 bis 70 Grad heiß und wird direkt ins Resort geleitet. Alle Zimmer, Mountainview-Suiten und die Villen verfügen über einen eigenen Pool und Thermalwasserzulauf – genau die richtige Atmosphäre, um ausgeruht und völlig entspannt die letzten Stunden in Taiwan zu genießen.

Ich verlasse Taipeh am Abend und checke für den Nachtflug nach Frankfurt ein. Das Erlebte kommt mir vor wie ein schöner Traum…


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